Kulinarisch historische Mühlenwanderung 16.11.14

Mystik im Weinkeller, Schwarze Walnüsse und wärmende Gänseconsommé – Leuchtende und lukullische Überraschungen bei dritter kulinarischer Mühlenwanderung

Das Gedicht zum Regen musste Gästebegleiterin Maren Gutberlet gar nicht mehr vorlesen. Pünktlich zum Start der Wanderung bei der Ankermühle ließ der Regen nach. Eingestimmt mit einen Glas Rieslingsekt führte der Weg vorbei an der St. Georgsklause – ursprünglich Bleibe der Nonnen vom Kloster Johannisberg und bis 1900 als Getreidemühle betrieben – hinauf zum Johannisberg. Der erste Anstieg wurde mit einem Blick auf die Weinberge der Johannisberger Hölle und weit ins Tal des Elsterbaches belohnt.

Mystisch sollte die Tour im November dieses Mal werden. So führte Sabine Eser vom Weingut Johannishof die Gäste in den tunnelartigen Weinkeller, den einst der Schwiegervater selbst in den Hang gegraben hatte. Leicht flackerndes Kerzenlicht, Geruch von Holzfässern, dazu ein Glas Charta-Riesling – hier wurden alle Sinne angeregt. Vorbei am ehemaligen Kloster Johannisberg ging es wieder den Berg hinauf weiter bis zur Reussischen Mühle. Hier hinten im Tal wurde die Mühle ehemals zum Waschen der Brauneisensteine genutzt. Heute ist das Leben auf der Mühle etwas idyllischer: Neben der Familie Börner bewohnen 16 Waldschafe, eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse, das Gelände. Im Frühjahr waren es noch 30 Tiere. Jetzt wurde gerade geschlachtet. Das Ergebnis konnten die vierzig Teilnehmer im Schein der Feuerkörbe als Lammfleischkäse mit Quittensenf genießen. Aus Müllern wurden Bäcker und hier im Rheingau vor allem Winzer.

So war die nächste Station im Elstertal das Weingut Ostermühle. Ursprünglich noch als landwirtschaftlicher Betrieb geführt, bewirtschaften die Daniels heute noch 10 ha Weinberge. Hier reichte der Herr des Hauses in seinem Weinkeller bei Kerzenschein einen trockenen Riesling und einen Spätburgunder. Ein wärmendes Kürbis-Ingwersüppchen und köstliches Brot von der Biobäckerei Kaiser passten herrlich dazu.

Wieder gestärkt konnte der letzte Berg erklommen werden. Hatte der Novembertag noch grau in grau begonnen, blitzten jetzt abendliche Sonnenstrahlen durch die Wolken und der Blick reichte weit ins Rheinhessische. Ein herrlicher Regenbogen über Schloss Johannisberg wies den Weg zur Elstermühle. Hier betreibt Olaf Fischer heute einen Obsthof im Nebenerwerb. Das Ergebnis sind sehr außergewöhnliche Destillate: Sein Walnusslikör hat auch schon mal 39 % vol.. was bei dem herrlich nussig-süsslichen Geschmack äußerst gefährlich sein kann. Dazu gab’s eine Kostprobe einer besonderen fast vergessenen Spezialität: Schwarze Walnüsse, die tagelang gewässert, mehrfach eingekocht und bis zu einem Jahr in Sirup eingelegt werden. So reifen die noch grünen Walnüsse zu schwarzen Köstlichkeiten. Mit Lampions und Fackeln ausgerüstet führte der Weg dann zurück zur Ankermühle. Dort bildeten Gänseconsommé und hausgemachter Quittenlikör einen wirklich würdigen Abschluss der literarisch-historischen Genusstour.