Wir Unterwegs

Ulrich Steger

Auf den Spuren von Slow Wine im Chianti-Gebiet

Was ist eigentlich Slow Wine in Italien? Um diese Frage praktisch zu klären, fuhren 18 Slow Food Mitglieder, darunter 4 Conviven-LeiterInnen (Namen und Convivien kommen in das Foto) , in die Toskana, genauer in und um das Chianti Gebiet. 15 Weingüter wurden in etwas mehr 5 Tagen besucht, ca. 70 Weine verkostet. Ein erster Eindruck: „Die dramatischen Folgen des Klimawandels waren bereits deutlich erkennbar. Ehemals gute Lagen verdörren; während Nord- und Ostlagen nunmehr an Qualität und Bedeutung gewinnen“. Bewusst wurden auch ein Massenhersteller und ein bekanntes „Touristen-Weingut“ als Vergleichsmaßstab besucht. Die anderen Güter waren aus dem „Slow Wine Führer“ Italiens ausgewählt worden, herausgegeben von Slow Food Italien. Mehr als die Hälfte davon sind dort auch mit der „Schnecke“ ausgezeichnet. Einhellige Meinung der Teilnehmer: „Es gibt deutliche Geschmacksunterschiede zwischen den Slow Wine – Erzeugnissen und der Massenproduktion.“

Dr.Vito Lacerenza, Koordinator für Slow Wine in der Toskana, erklärte den Teilnehmern, wie die Bewertung und die Aufnahme eines Weingutes in den Wein-Führer erfolgt. Von den örtlichen Organisationen werden fortlaufend Vorschläge unterbreitet. Dies betrifft auch bereits aufgenommene Weingüter, deren Qualität sich verändert haben kann. Die Winzer werden dann jährlich von geschulten, neutralen Experten mit langjähriger Erfahrung besucht (die auch ein Entgelt dafür erhalten) und die wichtigsten Weine verkosten. Die Empfehlungen werden dann auf regionaler Ebene, hier der Toskana, geprüft. Dort findet eine Querverkostung statt, auf der jedes Weingut mit mindestens einem Wein vertreten ist.

Während einer 3 tägigen Klausurtagung werden dann national sämtliche Weine, die eine „Slow Wine“ Empfehlung oder eine Schnecke erhalten sollen, durch die Chefredaktion und alle Regional-Koordinatoren nochmals verkostet und bewertet. „Erfahrung in der Verkostung, Objektivität, Menschenkenntnis, aber auch Leidenschaft für den guten Wein braucht ein Verkoster auf jeder Ebene“, erklärte Lacerenza – er selbst nimmt schon seit 25 Jahren an semi-professionellen Verkostungen teil. „Die Geschmacksqualität ist das wichtigste Beurteilungskriterium; sie wird zu einer ganzheitlichen Betrachtung in den Slow Wine Führer eingebettet.“ Diese umfasst sowohl das Terroir als auch die Persönlichkeit des Winzers. Stichwortartig werden 5 (Erzeugungs-)Kriterien aufgeführt: Düngung, Herbizide, Pestizide, % der Trauben aus eigener Herstellung und Bio-Zertifizierung.

„Die Reise hat uns allen eine neue Motivation gegeben, uns für Slow Wine zu engagieren“, stellte der Organisator, Ulrich Steger vom CV Rheingau fest, „Wir können sicher von Italien eine Menge lernen, auch wenn in Deutschland z.T. andere Bedingungen herrschen.“ Aber die praktische Zusammenarbeit mit den Winzern in den CVs ist nicht so unterschiedlich. Vor allem die Freude am Genießen und die wunderbare Geschmacks Vielfalt der Weine eint uns Slow Foodies in Deutschland und Italien.

Diese Erfahrungen können, so das Resümee der Teilnehmer, die deutsche Diskussion über Slow Wein auf jedem Falle befruchten. Leider wird auf absehbare Zeit ein Slow Wine Führer Deutschland als Vehikel zur Unterstützung der Slow Wine Idee fehlen.

 

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