Slow Wine

Wein im Sinne der Slow Food-Bewegung

von Kai Wagner
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„Gut, sauber, fair“ – diese Philosophie vertritt Kai Wagner als langjähriges Mitglied von Slow Food Deutschland und Gründer des Convivium Mittelhessen. Als Fachbeirat Wein und Mitglied in der Genussführer-Kommission ist er nah dran an den großen Genuss-Themen. Der studierte Philosoph, Politologe und Informatiker arbeitet als Autor für das Slow Food-Magazin, veranstaltet Weinseminare und Verkostungen.

Slow Food orientiert sich an den Prinzipien „gut, sauber, fair“, die einen guten Geschmack eines Lebensmittels, seine handwerklich saubere und nachhaltige Herstellung und eine angemessene Entlohnung der Produzenten fordern.

GUT. Guter Geschmack als das wichtigste Qualitätsmerkmal meint nicht die subjektive Akzeptanz. Das Geschmacksempfinden ist abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, die als Vorlieben oder Abneigungen erscheinen: genetischen Einflüssen, der individuellen Geschichte mit ihren Prägungen, aber auch von Moden, der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und nicht zuletzt der Beeinflussung durch Werbung, Medien und Nahrungsmittelindustrie. Der Geschmack ist das wichtigste Qualitätsmerkmal, insofern er die aus dem natürlichen Entwicklungsprozess eines Weins unter der Obhut des Winzers und der Herkunft eines Weins herrührenden Eigenschaften zum Ausdruck bringt. Im Geschmack spiegelt sich die Seele und Individualität eines Weins. Im Geschmack erzählt der Wein seine eigene Geschichte. Klar und deutlich sollen Herkunft, Boden, Klima, Jahrgang, Rebsorte, Reife und die behutsame Pflege durch den Winzer zum Ausdruck kommen. Nur dann können wir von einem GUTEN Wein sprechen.

SAUBER. Aus der Forderung nach gutem Geschmack folgt bereits die Forderung nach einer handwerklich sauberen, den Ansprüchen des Weins gerecht werdenden Herstellung, denn der Herstellungsprozess soll die auf natürliche Weise prägenden Eigenschaften erhalten und unterstützen. Abzulehnen sind Maßnahmen, die diese Eigenschaften verändern oder verbergen wollen, um ein Geschmacksbild, wie attraktiv auch immer, zu erzeugen, das nicht mit den natürlichen Eigenschaften in Einklang steht. Das Prinzip SAUBER hat als weiteren Aspekt den der Nachhaltigkeit. Die ökologische Krise hat menschheitsbedrohende Formen und Ausmaße angenommen. Jeder ist angehalten, der weiteren Zerstörung der Lebensgrundlagen Einhalt zu gebieten. Die ökologische Arbeitsweise ist ein sinnvoller Beitrag hierzu. Allerdings sind die Bedingungen für eine Umstellung von konventioneller auf ökologische Arbeitsweise von Weingut zu Weingut so unterschiedlich, dass eine ökologische Arbeitsweise nicht umstandslos eingefordert werden kann. Wo sie möglich ist, sollte sie eingesetzt werden. Ziele wie der Erhalt von Steillagen und alten Weinbergen und die Sicherung der ökonomischen Existenzbedingungen sind jedoch nicht minder bedeutsam. Gefordert wird aber, dass jeder Winzer sich bewusst und aktiv mit der Forderung nach Nachhaltigkeit auseinandersetzt und Maßnahmen in seinem Betrieb durchführt, diesem Ziel immer näher zu kommen.

FAIR. Die Produzenten sollen für ihre Arbeit so entlohnt werden, dass ein dem gesellschaftlich-kulturellen Standard entsprechendes Leben möglich ist.

Wesentlich für die Umsetzung aller Prinzipien im Weingut ist, dass der Winzer in seinem Handeln offen ist und sich der Diskussion stellt. Das gilt sowohl für das Verhältnis von Winzer und Kunde, wie auch für die Diskussion zwischen konventionell und ökologisch arbeitenden Winzern.

 

 

 

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