Rheingauer Slow Wine-Entdeckungen

Rheingauer Slow Wine-Entdeckungen des Conviviums Rheingau für Winzer, Weinfachleute und Weinfreunde

 Wolfgang Fischer, Rheingauer Weinkommission

Mit unseren „Rheingauer Slow Wine-Entdeckungen“ wollen wir Winzer und Weingüter identifizieren und beschreiben, die im Sinne der Slow Food-Bewegung arbeiten. Dabei wollen wir das Weingut in seiner Gesamtheit, also nicht nur die Weine, sondern  auch die Persönlichkeit des Winzers oder der Winzerin sowie die Arbeitsweise im Weinberg und im Weinkeller im Hinblick auf die Slow Food-Kriterien „GUT, SAUBER, FAIR“ beurteilen.

In  unserem Werkstattbericht von 2016 haben wir die  Bewertungskriterien und Leitlinien ausführlich beschrieben. Die dort genannten Kriterien waren der Orientierungsrahmen für unsere Einordnung der Weingüter.

Werkstattbericht_ Version 07.04.16

Bei der Aufbereitung der bei Weingutsbesuchen und Weinverkostungen gesammelten Informationen und Daten haben wir festgestellt, dass – erfreulicherweise – doch eine größere Anzahl von Weingütern zumindest teilweise Slow Wine-affin arbeiten. Dies gilt für Weingüter aller Betriebsgrößen. Dabei sind die größeren Weingüter publizistisch schon gut in den  einschlägigen (Gourmet-)Medien vertreten. Wir haben uns daher entschieden, – zunächst – nach Weingüter zu suchen, die aufgrund ihrer Betriebsgröße nicht oder noch nicht die mediale Aufmerksamkeit haben,  sich aber mit Leidenschaft der Weinbereitung im Sinne von Slow Food widmen.

Unsere „Entdeckungen“, sowie die Publikationen unserer Entdeckungen sollen laufend  fortgesetzt werden und Sie als Leser und Weinfreund animieren, unseren „Spuren“  im Rheingau zu folgen. Selbstverständlich freuen wir uns auf Ihre Rückmeldungen.

Beginnen wollen wir unsere Vorstellung mit  Weingütern, die  nur eine  (relativ)  kleine Rebfläche bearbeiten und nach Meinung der Rheingauer Weinkommission dem Ideal einer Weinherstellung i.S.  der  Slow Food-Kriterien schon sehr nahe kommen.


Weingut Mohr

Lorch-Rheinstraße 21

Tel.: 06726 9484

e-mail: info@weingut-mohr.de

Internet: www.weingut-mohr.de

 Weingut

Auf eine lange Tradition kann das 1875 gegründete Weingut, das mittlerweile in vierter Generation von Jochen Neher und seiner Frau Saymur Sonkaya-Neher in Lorch  geführt wird, zurückblicken.

Der seit 2011 biozertifizierte Betrieb, der ab dem Jahr  2014 Mitglied bei ECOVIN ist,  baut  auf 6,5 ha (ein Drittel auf Steillagen) zu 75 % Riesling  in den Lorcher Lagen Krone, Bodental-Steinberg und Schlossberg in den (weingutseigenen) Qualitätsstufen „Klassiker“, „Edition“, „Premium“ und „Solisten“ an.

Ergänzt wird das Rebsortenspektrum um Weißburgunder (10 %), Spätburgunder (10 %) sowie in kleinen Mengen Muskateller, Silvaner und Scheurebe. Letztere dienen auch zur Herstellung von Cuvees.

Ein besonderes Merkmal ist die Kultivierung von  50-60 Jahre alten Rebstöcken.  Das Weingut ist im Besitz des ältesten Weinbergs im Rheingau, der 1934 angepflanzt wurde.

 

Weinan-/-ausbau

Die Mitgliedschaft des Weingutes bei ECOVIN bedingt die ganze Bandbreite der ökologischen Weinherstellung

über die gesamte Produktionskette. wie die Nutzung natürlicher Ressourcen, den Einsatz von natürlichen Stärkungsmitteln, die Biotopvielfalt, den Verzicht auf chemisch-synthetische Substanzen und die konsequente Reduktion des Energieverbrauches.

Die Weinlese erfolgt zu 100 % per Hand im Büttensystem. In allen Phasen werden  Trauben und Most schonend behandelt. Die Mostvorklärung erfolgt durch Sedimentation und Bentonit, ggf. Schönung mit Kohle und Erbsenprotein. Herr Neher lässt die Weine teilweise spontan vergären bzw. setzt auf eine Kombination aus Spontanvergärung und Reinzuchthefe. Ein Orangewein aus der Rebsorte Weissburgunder liegt vier Wochen auf der Maische und mehrere Monate im Eichenholzfass auf der Hefe.

Weitere Maßnahmen, wie die regelmäßige Battonage, die Filtration über Cellulosefasern und Schichtenfilter soll zum Weinstil des Weingutes, der mit filigran, mineralisch und gradlinig beschrieben wird, beitragen.

Unsere Verkostungsergebnisse   (Februar 2017)

Bereits die Einstiegsweine („Klassiker“) zeigen das vom Weingut angestrebte Geschmacksbild. Mitverantwortlich hierfür dürfte hier das Cuvee aus spontanvergorenen (20-30 %) und mit aus Reinzuchthefen ausgebauten Weinen sein.

Die „Alten Reben“  des  Jahrgangs 2015 („Edition“), die aus über 55-jährigen Rebstöcken gelesen werden,  zeigen eine  feingliedrige Frucht und Würze mit stabilisierender Mineralität.

Das Verfahren der Kaltmazeration der Maische und Spontanvergärung des Mostes wendet Herr Neher bei dem Lesegut aus der Lage Bodental-Steinberg für den Premiumwein Erstes Gewächs an. Das Ergebnis sind mineralische Schiefernoten und feingliedrige Fruchtaromen; das Ganze in einer kleinen Auflage von 500-600 Flaschen.

Die Spätburgunder-Rotweine vom Assmannshäuser Höllenberg und vom Lorcher Bodental-Steinberg haben Rückgrat und Frucht und zeigen das typische Geschmacksbild für diese Lagen.

Wir sehen den qualitativen  Schwerpunkt des Weingutes ganz klar in der Präsentation von Rieslingweinen in den unterschiedlichen Qualitätsstufen, deren  Geschmacksbild  vor allem mit sinkenden ha-Erträgen und höherem bzw. ausschließlich spontanvergorenem Mostanteil sehr ansprechend ausgefallen ist.

Die gereichte Fassprobe zeigt schon, dass  auch für den Jahrgang 2016 die Rieslingweine mit dem Potenzial der Vorjahre heranreifen.

Gesamtbewertung                                                                                                                      

Gut gefallen hat uns, dass das Weingut in seiner ganzen Produktionskette sehr Slow Wine-affin arbeitet. Hier wird der handwerkliche Ausbau gepflegt, bei dem man mit „sanften“ Methoden dem Wein Zeit für die Reifung lässt.

Herr Neher produziert Weine mit eigener Identität und ist offen für Innovationen (interessante Cuvees, Orangewein).

Die Weine zeigen eine gute Geschmacksqualität und  werden von einem sehr  engagierten Winzer  unter ökologischen Bedingungen bei gleichzeitigem Ressourcenschutz (u.a. Flaschen- und Kartonrücknahme) hergestellt

 

 Weingut Trinks Trinks

Geisenheim-Bischof-Blum-Platz 4

Tel.: 06722 406097

e-mail: weingut@trinks-trinks.de

Internet: www.trinks-trinks.de


Weingut

Erst seit Ende 2013 führen Frau Johanna Döring und Herr Matthias Friedel, die hauptberuflich am Lehrstuhl für Ökologischen Weinbau an der Hochschule Geisenheim arbeiten, das kleine Weingut mit 1,2 ha  in Geisenheim im Nebenerwerb. Das Weingut, untergebracht in einem wirklich sehenswerten historischen Ensemble, arbeitet auf drei historischen Lagen/Gewannen  („Im Schorchen / In allen Ehren / Steingrub“), die mit 25-40 Jahre alten Rebstöcken bestockt sind.  Die Bodenstruktur reicht von sandigem Lehm  („ In allen Ehren / Steingrub „) hin zu  Beimengungen mit kalkhaltigem Lös  in der Lage  „Im Schorchen“.

Die kleine Weinkarte zeigt  bisher ausschließlich Rieslinge der  Jahrgänge 2014 und 2015  sowie einen Sekt (Rheingau Riesling-Brut).

Weinan-/-ausbau

Die Weinberge werden nach ökologischen Standards bearbeitet (ECOVIN); d.h. u.a. Verzicht auf Herbizide. Außerdem wird die maschinelle Bearbeitung auf ein Mindestmaß begrenzt.

Auch die Weinlese erfolgt grundsätzlich mit der Hand in Kisten. Das Lesegut wird teilweise entrappt und mit einer Schlauchpresse abgepresst. Unnötiges Umpumpen von Maische, Most und Wein wird vermieden. Der Gärprozess erfolgt mit weinbergseigenen Hefen. Ein ausgeprägt oxidativer Gärprozess wird angestrebt. Der letzte Abstich von der Feinhefe erfolgt meist im Sommer des Folgejahres.

Zum Teil verwendete Holzfässer sollen eine geschmacksbildende Mikrooxydation ermöglichen; dort erfolgt eine Lagerung, die je nach Qualitätsstufe bis zu rund einem Jahr dauert.

Unsere Verkostungsergebnisse     (August und Dezember 2016)

Der Einstiegswein „Mitanand“ 2014 aus der Lage Geisenheimer Mönchspfad, der aus sehr langem Hefelager (14 Monate) kommt, ist sehr stoffig und hat moderate Holztöne. Die Weine des Jahrgang 2014 wurden frühestens ab Sommer 2015 abgefüllt. Die im Sommer von uns verkosteten Fassproben des Jahrgangs 2015 waren noch relativ verschlossen. Nachproben im Dezember des Jahres 2016 zeigen ein lebendiges Süß-/Säurespiel.

Der Riesling aus der Lage „Im Schorchen“ (Geisenheimer Mäuerchen)  zeigt gelbe Früchte mit schöner geschmacklicher Breite. Die Weine aus der Lage „In allen Ehren“ sind holzgeprägt und haben eine herbe Frucht. Die Rieslinge aus der Lage „Steingrub“ haben ebenfalls Gelbfruchtaromen und zeigen den höchsten Restzuckeranteil des Sortiments.

Unser Favorit war der kraftvolle und sehr trocken ausgebaute Riesling aus der Lage „In allen Ehren“.

Sehr schön mit typischer Rieslingfrucht stellt sich der – in Zeitabständen immer wieder nachprobierte Sekt -(„Feiertag“) dar.

Das Weingut wird in allen Proben dem Anspruch, stoffige und aromaintensive Weine zuzubereiten, in der ganzen Sortimentsbreite gerecht.

Gesamtbewertung                                                                                                            

Das kleine Weingut verfolgt konsequent den Weg der ökologischen Weinbereitung. Der Erwerb von steilen Weinbergsparzellen und der Anbau von pilzresistenten Rebsorten (sog. Piwis) steht im „Wunschkatalog“. Ggf. will man sich auch dem „Gemischten Satz“ widmen.

Die Weine haben eine eigene Stilistik und Authenzität. Der Anspruch des Weingutes, „Rieslinge ohne Schnick-Schnack“ herzustellen, wird aufgrund der eingriffsreduzierten und  aromaintensiven Weinbereitung erfüllt.

Das „Mitanand“ wird im Weingut durch die Einbeziehung der Familie und der Freunde bei der Weinlese intensiv „gelebt“.

Weingut  Mitter-Velten  

65239 Hochheim a. M.   

Frankfurterstr. 31

Tel.: 06146/9101

e-mail: weingut-mitter@gmx.de             

Internet:  www.weingut-mitter.de

 

Weingut

Die „Wieder-Entdeckung“ dieses Weingutes müssen wir gleich mit einem Eingeständnis beginnen: bei den einige Jahre zurück liegenden Besuchen des Weingutes hatten wir nicht den Eindruck, dass aufgrund des großen Gutsausschankes hier ein Weingut mit slowwein-affinen Merkmalen „heranwächst“.. Erst auf Hinweis eines Winzerkollegen haben wir das Weingut erneut besucht und mit Herrn Martin Mitter einen Winzer angetroffen, der aufgrund seiner  positiven Erfahrungen, die er vor einigen Jahren  mit dem Einsatz von natürlichen Stoffen („Backpulver und Orangenöl“) bei der Behandlung von Rebstöcken gemacht hat,  nunmehr in der Phase des ökologischen Weinanbaus „gelandet“ ist. Seit     dem Jahr 2016 ist das Weingut Mitglied von ECOVIN

Die insgesamt rd. 8 ha Rebfläche sind in den Gemeinden Hochheim (jüngere Bestände) und Flörsheim (die Rebstöcke sind dort bis zu 40 Jahre alt) angesiedelt. Es werden Riesling (70 %), Spätburgunder (26 %) und kleinere Parzellen mit Dornfelder, Grau- und Weißburgunder sowie Sauvignon Blanc angebaut.

Neben dem Ehepaar Mitter sind  zwei weitere Mitarbeiter fest angestellt.

 

Weinan-/ -ausbau

In der weitgehend flachen Weinbergstopographie der Gemeinden Hochheim und Flörsheim reicht der Untergrund von sandig-kiesigen Böden hin zu Löß und Lößlehm sowie mittelgründigen Mergeln, der zum Teil engräumig wechselnd ist.

Dem Vorsorgeprinzip entsprechend, erfolgt der Einsatz von natürlichen Stärkungsmitteln und die aktive Förderung von Nützlingen. Die artenreiche Begrünung der Weinberge erfolgt  mit Grünmischungen  („Rummelmischung“).

Herr Mitter hat in den letzten Jahren  erhebliche Investitionen im Bereich des Maschinenparks und der Kellerwirtschaft getätigt. Mit  der damit verbundenen Flexibilität sieht  er eine wesentliche Voraussetzung für einen verantwortungsvollen und zukunftsorientierten ökologischen Weinanbau.

Die Weißweine werden bis zum Mai des Folgejahres  auf der Feinhefe ausgebaut, da eine Nachreife in der Flasche nicht gewünscht ist.

 

Unsere Verkostungsergebnisse   (Mai  2017)

Bereits die Weine aus der Großlage Daubhaus der Jahrgänge 2015 und 2016 zeigen das Geschmacksbild  eines klaren und sauberen  Rieslings. Zwei spontanvergorene Riesling-Spätlesen ( Hochheimer Hölle und Kirchenstück)   aus dem Jahr 2016 sind  feinfruchtig  mit nicht zu hervorstechender Säure und -bei letzterem- mit einem schönen Süß- / Säurespiel. Die Weine der „Premium-Equipe“-Linie  zeigen Kraft und Fülle sowie differenzierte Fruchtaromen.

Die Weißweinprobe wird abgerundet mit einer 16er Auslese aus dem Hochheimer Kirchenstück, die nicht „pappig daherkommt“ und  ein schönes Säuregerüst hat.

Die „Abteilung“ Spätburgunder ist mit zwei schönen Rotweinen der Lage Hochheimer Hölle vertreten, die zum einen aus dem großen Holzfass, zum anderen aus dem Barrique  (jeweils gebraucht) stammen und sich durch fruchtige Dichte und einem unterschwellig begleitenden Holzton auszeichnen.

Gesamtbewertung                                                                                                                       

Das Weingut hat  aufgrund von eigenen Erfahrungen mit dem naturnahen Anbau sehr selbstbewusst den Weg in den ökologischen Weinbau beschritten.  Bei seinen doch sehr unmittelbaren Kundenbeziehungen (Direktverkauf /  Gutsauschank / Weinstände) ist es Herrn Mitter offensichtlich auch gelungen, seine Abnehmer auf dem neuen Weg „mitzunehmen“.

Ein Grund für diese Kundentreue dürfte allerdings auch in dem sehr moderaten Preisniveau zu suchen sein. In dem gesamten Sortiment des Weingutes (einschließlich der Rotweine und Sekte)  wird die Preisschwelle von € 10,- nicht überschritten.

Gerne nehmen wir das Weingut in unsere „Erkundungen“ auf, da sich  dieses, trotz des noch sehr dem konventionellen Weinbau verhafteten regionalen Umfeldes mit seiner entsprechenden Kundenstruktur,  konsequent der ökologischen Weinbereitung widmet.

Herr Mitter legt auch  darauf Wert, dass sich auch das Speisenangebot im Gutsausschank an  ökologischen Maßstäben orientiert.

Weingut  Asbach-Kretschmar      

Oestrich-Winkel

Weißgasse 1

Tel.:  06723/889660   

e-mail: weingut@asbach-kretschmar.de   

Internet:  www.asbach-kretschmar.de

 

Weingut

Dem  ökologischen Weinbau fühlt  sich der Inhaber des Weingutes, Peter Kreuzberger,  schon sehr lange verbunden. Bereits seit 1992 führt er das Weingut gemeinsam mit seiner Frau nach ökologischen Gesichtspunkten und war damit einer der Pioniere im Rheingau. Seit dieser Zeit ist das Weingut Mitglied bei ECOVIN.

Das Ehepaar Kreuzberger deckt das gesamte Aufgabenspektrum des Weingutes ab und beschäftigt nur in der Erntezeit eine Lesemannschaft.

Etwas mehr als 4 ha werden vom Weingut bewirtschaftet. Die Weinberge sind schwerpunktartig in Rüdesheim angesiedelt, umfassen aber auch  Parzellen in Hallgarten,  Geisenheim sowie in Lorch.

Die Palette der  wird vom Riesling  angeführt und in kleineren Mengen mit  Weiß- und Grauburgunder sowie   Auxerrois und Spätburgunder ergänzt. Das Weingut besitzt  sehr alte Weinstöcke, die bis auf das Pflanzjahr 1957 zurückgehen.

In den sehr weitläufigen, alten Kellerräumen  finden sich noch Ausstattungen (Stahl- und Holzfässer) aus der ehemaligen  Asbach-Weindestillerie, die Vorbesitzerin des Weingutes war.

 

Weinan-/ -ausbau

Den Richtlinien von ECOVIN entsprechend, wird  die ganze Bandbreite der ökologischen Weinherstellung über die gesamte Produktionskette umgesetzt  In dem Produktionsablauf werden die vorhandenen, natürlichen Ressourcen genutzt, die biologisch aktiven Böden und die natürliche Bodenfruchtbarkeit gefördert.

Die „Gegebenheiten der Natur zu akzeptieren“ und „den Weinbergen Ruhe geben“ sind die wesentlichen Leitsätze des Winzers, die, wie wir finden, vom Ehepaar Kreuzberger perfekt umgesetzt werden.

Die Weißweine werden in Edelstahltanks ausgebaut, während beim Spätburgunder das  Barrique bzw. große Holzfässer zum Einsatz kommen

Die  Weine haben jeweils eine sehr lange Verweildauer auf der Vollhefe. Dabei kommen ausschließlich Reinzuchthefen zum Einsatz. Der Durchschnittsertrag liegt bei 50 hl/ha.

Rund 40 % der Produktion werden direkt vermarktet, gefolgt vom Handel und Export mit jeweils 25 % sowie  einer Restquote von 10 %, die bei Weinfesten abgesetzt wird.

 

Unsere Verkostungsergebnisse   (März  und April 2017)

An  Verkostungsterminen probierten wir Rieslinge  der Jahrgänge 2015 und 2016. Während, wie zu erwarten, die Rieslinge des Jahres 2016 aus den Lagen Hasensprung und Klosterlay noch verschlossen sind und  noch eine leicht hefige Nuance haben, zeigt die 2015er  Riesling Spätlese aus der Rüdesheimer Lage Roseneck gelbe Früchte und eine runde Aromatik. Deutlich bukettreicher („auch gelbe Früchte“) präsentiert sich die Auxerrois Spätlese aus 2015, die Herr Kreuzberger auf einer kleinen Fläche in Geisenheim („Mäuerchen“) anbaut.

Herr Kreuzberger zeigt uns auch noch einige „Spezialitäten“, wie eine im Barrique gereifte  Riesling Spätlese  (2014) von der Lage Hallgartener Schönhell, die sich mit relativ niedrigen Säurewerten „sehr schön mit der japanischen Küche verbindet“.

Gut gefallen hat uns auch ein 2012er Spätburgunder vom  Lorcher Schloßberg, der aus einer Erstbelegung von Barrique-Fässern stammt.  Ältere Jahrgänge zeigen das gute Reifepotential der Weine von Asbach-Kretschmar.

Bemerkenswert ist,  dass das Weingut das ganze Sortiment  zu moderaten Preisen anbietet.

Gesamtbewertung                                                                                                                      

Das Weingut ist einer der Öko-Pioniere im Rheingau. Herr Kreuzberger, der mit seiner pragmatischen und unprätentiösen Art sein Sortiment präsentiert,  bietet eine Weinstilistik an, die auch bei  Weinkonsumenten, die nicht nur  auf eine sehr markante  Rieslingtypizität setzen, gut ankommt. Dies dürfte auch der Grund sein,  dass sein Weinangebot auch bei  einer internationalen Kundschaft stärkeres Interesse findet.

Wir nehmen das Weingut gerne in unsere „Weinerkundungen“ auf, da Herr Kreuzberger die Merkmale für eine slowwein-affine Weinherstellung bereits seit  mehr als zwei Jahrzehnten mit Erfolg praktiziert.